Veranstaltung vom 10. – 12. Juni 2022 in Aschersleben – Für alle Menschen, die sich für Humor interessieren – JETZT ANMELDEN!

Liebe Freunde des Kabaretts,

einer unserer Diskussionspunkte des kabarettistischen Sommerfests haben wir etwas flapsig unter den formulierten Oberbegriff „Der Kabarettist als solches“ gestellt. Worum es dabei geht wurde bereits angedeutet. Um ein wenig “Futter“ als Diskussionsgrundlage anzubieten, haben wir auf beiliegendem Blatt ein paar Punkte aufgelistet, von denen wir denken, dass diese dazugehören könnten. Sie sind weder vollständig noch müssen alle genauso beantwortet werden und dienen lediglich zur Orientierung. Wir würden uns freuen, wenn rege an dieser Diskussion teilgenommen wird. Dazu besteht auch die Möglichkeit ein eigenes Statement (bitte max. 10 min) abzugeben.

• Wozu treffen wir uns? Die Wiedersehensfreude, das gemeinsame Bier, das bis-in-die-Nacht-quatschen gehört schon immer zu den Treffen im April und im November, das muss sein. Aber was ist der Anlass des Treffens? Woran wollen wir professionell arbeiten?

• Verstehen wir uns als Vereinigung Politischer Kabarettisten? Falls ja: Wie können wir erreichen, dass wir die wenige gemeinsame Zeit im Jahr intensiv und schwerpunktmäßig dem Handwerk im Politischen Kabarett widmen? Falls nein: Was ist dann das Vereinsziel?

• Es gibt weniger Mitglieder als früher, die sich schwerpunktmäßig mit der kritischen Betrachtung von Politik, Zeitgeschehen und Gesellschaft beschäftigen. Wollen wir in Zukunft mit den Wenigen umso intensiver arbeiten? Oder wollen wir die Teilnehmerzahlen möglichst groß halten?

• Falls wir uns auf Politisches Kabarett beschränken: Wie stellen wir sicher, dass wir offenbleiben für neue Künstler, die sich von diesem Anspruch vielleicht verschreckt oder ausgeschlossen fühlen?

• Wollen wir bei unseren Treffen mehr inhaltlichen Input? Thematische Vorträge zu politischen Fragen: Krieg, Armut, Teilhabe, Rassismus, Naher Osten, Klimawandel. etc.?

• Offene Bühne: Wollen wir ein eigenes Format, in dem das Gesehene von allen (zugewandt und wertschätzend) kritisch beschrieben und hinterfragt wird? Kein Meinungsaustausch über Geschmack und politische Haltung, keine Bewertung, sondern ehrlicher hand-werklicher Austausch im geschützten Raum.

Dies ist sicher nur eine kleine Auswahl von Fragen, die natürlich erweiterbar sind.

Und wer am Sommertreffen nicht teilnehmen kann? – Der ist aufgerufen, seine Gedanken schriftlich niederzulegen, damit wir die gesammelten Werke dann in der „Pointe“ abbilden können.

So oder so hoffen wir auf rege Teilnahme in Aschersleben.

Was treibt uns an!

1. Wie siehst du die Position und Funktion des Kabarettisten in der heutigen Zeit.

2. Hat es Veränderungen zu früher gegeben? Wenn ja wo?

3. Mit welchem Anspruch machst du Kabarett?

4. Was macht aus Deiner Sicht ein gutes Kabarett/einen guten Kabarettisten aus?

5. Ist Kabarett heute einfacher oder schwieriger als früher? (Hier bitte Pandemiebedingte Schwierigkeiten ausklammern)

6. Fühlst du dich in deiner kabarettistischen Arbeit eingeschränkt?

7. Gibt es Deiner Meinung nach linkes oder rechtes Kabarett? Hat sich deine Kabarettauffassung mit der Zeit geändert und falls ja, was war die Ursache?

8. Was bedeutet das Publikum für Dich? Welchen Anspruch hast Du an das Publikum?

9. Muss man Unterscheidungen treffen zwischen alltäglichem Bühnenprogramm, Fernsehkabarett, Streaming und Formen, die von anderen als Kabarett dargeboten werden?

10. Hat Kabarett für Dich eine Informations- und Erziehungsaufgabe?

11. Wie löst Du den Spagat zwischen eigenem Anspruch und ökonomischen Zwängen?

12. Haben es „Freizeitkabarettisten“ einfacher?

13. Wie nutzt Du die sozialen Medien für Recherche und Werbung? Welche Medien nutzt Du noch?

2 Responses

  1. Da ich leider nicht beim Sommertreffen dabei sein kann, aber mich dennoch an der Diskussion beteiligen möchte, tue ich das eben schriftlich.

    Ich beginne mal mit dem Thema „Handlungsbedarf“. Ich darf hier kurz ausholen: Von Beginn an war es so, dass man sich Abends nach den Veranstaltungen der Festivals im Kabarettisten-Cafe getroffen hat, gefeiert hat, sich kennengelernt hat, sich ausgetauscht hat. An diesen Abenden waren oft auch die auftretenden Gäste noch dabei.

    Darüber haben wir von der GELA gesprochen. Wir haben den Eindruck, dass das seit ein paar Jahren nicht mehr so richtig klappt. Die einzelnen Gruppen, wenn sie denn überhaupt im Bestehornhaus bleiben, bleiben meist unter sich, auftretende Profis bleiben gar nicht vor Ort.

    Die Darbietungen der Bumms-Boys sind von hoher Qualität, nicht nur was die Musik betrifft. Auch die Texte können sich sehen, nee, besser hören lassen. Hier muss ich aber mit Wilhelm Busch sagen: „Musik wird störend oft empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden.“ Fazit: Treffen geht, feiern geht, kennenlernen geht auch, und austauschen geht, aber leider der Geräusche wegen den Bach runter.

    Und nun verrate ich noch einen der Gründe unserer Erfolge: Nach unseren Veranstaltungen sind wir beim Publikum geblieben. Wir haben versucht, jeden Tisch im Veranstaltungsraum mit einem von uns zu beglücken. Unser Publikum hat den Austausch mit uns sehr genossen. Möge das als Denkansatz dienen.

    Gedanken zum Thema Kabarett kommen demnächst.

    Herzlichen kabarettistischen Gruß aus Gerbrunn
    Dieter Perlowski

  2. Es gab einmal eine Zeit, da nannte man alles was in kleinen Räumen auf kleinen Bühnen dargeboten wurde „Kleinkunst“. Zur Kleinkunst gehörten Kabarettisten, Humoristen, Liedermacher. Ob die Aufzählung vollständig ist, sei dahingestellt. Man unterschied diese Darstellungsarten relativ streng. Dieter Hildebrand war Kabarettist, Heinz Erhard war Humorist, fertig. Dann kam das meinungsbildende Fernsehen und nannte ,warum auch immer, die späteren Humoristen fortan „Comedians“. Wahrscheinlich klang „Komiker“ zu deutsch.
    Und heute finde ich im Internet die Seite „Kabarett mit Stand-Up-Comedian ….“ Da stelle ich mir die Frage: Soll man alles, was nicht auf Theaterbühnen oder Opernhäuser oder Konzertsäle passt „Kabarett“ nennen? Und wenn nein, warum nicht?
    Da ist sie nun, die Frage, was ist Kabarett. Historisch kommt es vom Tingeltangel, wurde dann aber, als der erste Weltkrieg drohte, sehr schnell politisch. Ganz ähnlich war es auch vor dem zweiten Weltkrieg. Das Kabarett versuchte in beiden Fällen vor der Katastrophe zu warnen, und das mit geschliffenen Worten, ins Ohr gehenden Liedern. Das Kabarett sah seine Aufgabe im Warnen. Und damals wuchs das Kabarett mit seinen Aufgaben.
    Das Kabarett der Nachkriegszeit warnte auch. Vor den Auswirkungen des kalten Kriegs zu warnen gab Stoff genug. Das Kabarett war für die Obrigkeit unbequem, was wiederum das Publikum erfreute.
    Wer auf eine Bühne geht, tut dies um sein Publikum zu unterhalten. Aber nun muss jeder, der eine Bühne betritt um sein Publikum zu unterhalten, für sich selbst entscheiden, ob er sich Kabarettist nennen will – oder darf – oder kann.
    Der Kabarettist hat die Aufgabe zu warnen, wovor auch immer. Das muss nicht politisch sein, das geht auch wirtschaftlich oder gesellschaftsbezogen. Und es muss auch nicht jeder Text diesem Anspruch genügen. Auch das Kabarett darf komisch sein, es muss sogar auch komisch sein, aber eben nicht nur.
    Und als Kabarettistinnen und Kabarettisten müssen wir uns damit abfinden, dass wir leider nur warnen, aber nicht verhindern können. Das zeigt uns die Geschichte. Schön wäre es, wenn es uns die Zukunft erlauben würde. Ohne unser Zutun wird sie es aber ganz sicher nicht tun.

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